Comedian Osman Citir wurde zum Lebensberater

04.06.2013, 06:00 Uhr

Leimen-St. Ilgen. (sg) Osman Citir besuchte eine Hauptschule und meint heute darüber: „Das ist die einzige Schulart, in der du in den Pausen kostenlos Kampfunterricht bekommst.“ Mit diesem und anderen Scherzen begeisterte der Comedian die Schüler der siebten bis zehnten Klassen der Geschwister-Scholl-Werkrealschule. In der Aegidiushalle gab es keinen Unterricht nach Stundenplan, sondern „Lehrer“ Citir servierte ihnen Lehrreiches auf witzige Art. Osman Citir war auf Einladung der Schule und des Internationalen Bundes mit seinem Spezialprogramm „Comedy macht Schule“ nach St. Ilgen gekommen.

Der Comedian gehört zu den talentiertesten Newcomern der deutschen Comedy-Szene. Als Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie ist Citir in Deutschland aufgewachsen. Aber gerade diesen Umstand nutzt er, um seine Zuschauer in eine Welt zu entführen, die die lustigen Erlebnisse und Abenteuer eines jungen Mannes schildert, der zwischen zwei Kulturen groß geworden ist.

Die Schüler zog der Comedian schnell in seinen Bann. Da man in der St. Ilgener Werkrealschule viele Nationalitäten unter einem Schuldach findet, bot es sich an, auf spaßige Art mal die Nationalitäten abzuchecken. Jedes Land wurde mit seiner Sprache und seinen Eigenheiten vorgeführt. Da waren Lacher garantiert. Vor allem wegen seiner Sprüche und Gags, die er hart aber herzlich und nie diskriminierend vorbrachte. „Ey, hier gibt es mehr Russen als Türken – was geht denn hier ab? Geht mal nach Mannheim, da ist es gerade umgekehrt.“ Zwischendurch erzählte der Gastarbeitersohn, wie er aufwuchs und welche Probleme er in der Schule hatte. „In Mathe war ich ein Ass, aber sonst haperte es“, gab er offen zu. „Mit Sport habe ich alles ausgeglichen.“

Spannend schilderte er, mit wieviel Glück er den Schulabschluss schaffte, weil seine Lehrerin sein Bemühen um eine kaufmännische Ausbildung honorierte. Er machte den Schülern klar: „Am Ende bekommst du, was du verdienst. Lehrer sind auch nur Menschen und entscheiden in gewissen Fällen auch nach Sympathie.“

Er erzählte von der Zeit in der Berufsschule und der Entdeckung seines Talents als Comedian. Weil er in dieser Zeit statt zu lernen lieber mehr Quatsch in der Schule machte, blieb er sitzen. „Jeder von uns macht mal Fehler, aber es ist wichtig, dass man daraus lernt“, gab er den Schülern mit auf den Weg. „Das Leben ist nicht nur Comedy. Lasst euch nicht vom Lernen ablenken. Es liegt alles in eurer Hand.“ Citir selbst hatte sich Ziele gesetzt, die Schule geschafft und durch viel persönlichen Einsatz einen guten Ausbildungsplatz bekommen.

Die Schüler lachten und weinten mit dem jungen Comedytalent. Als Citir von seinem kleinen Bruder erzählte, der an Krebs erkrankt war, hatten nicht nur die Mädchen im Saal Tränen in den Augen. Der kleine Bruder erwies sich übrigens als großer Kämpfer, besiegte den Krebs und ist seitdem für Osman Citir ein echter Held.

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