Wörth: 600 Schüler bei Comedian Osman Citir – Weisheiten fürs Leben mitbekommen

10. Dezember 2018

Osman Citir fesselte seine jungen Zuhörer.
Fotos: Lumi

Wörth – Eine ganz besondere Veranstaltung von einem, der die Schule auch nicht so mochte, kündigte der Schulleiter der IGS Wörth Jörg Engel den 600 Schülern in der voll besetzten Festhalle an

Das konnten dann die Klassen der Jahrgangsstufen 7 bis 10 der IGS und vier 10. Klassen des  Europa Gymnasiums beim vom 36-jährigen Comedian Osman Citir konzipierten Programm „Comedy macht Schule“ auch über 90 Minuten lang feststellen. Sein Motivationsprogramm spricht die Schüler direkt an und vermag sie für mehr Leistung und Engagement in der Schule zu begeistern.

Der Auftritt wurde vom Förderverein der IGS arrangiert, der auch finanzielle Mittel aus dem Aktionsprogramm „Demokratie leben“ der Stadt Wörth in Anspruch nehmen konnte, wofür Engel dankte.

Von Anfang an bezieht der durch Funk und Fernsehen bekannte Citir sein Publikum mit ein, ob es deutsche, türkische oder Schüler einer anderen Nation sind. So bricht er gleich das Eis, begeistert die Schüler und bringt sie mit Witzen und flotten Sprüchen – auch über die Bundeskanzlerin – mit gekonnter Mimik und Gestik zum Lachen.

Oder er übersetzt – beziehungsweise lässt von Schülern übersetzen – bestimmte Begriffe aus dem Deutschen ins Türkische oder Russische, erzählt vom Super-Agenten, dessen hübscher Assistentin, vom Kontakt am Strand oder vom Tanzen in der Disco und fesselt so locker die jungen Zuhörer.

„Lass dir nichts aufreden“

Nach diesen bildhaften Erzählungen berichtet Citir authentisch über seinen Werdegang als Hauptschüler und seine Erfahrungen. „Lebe deinen Traum, mache nur das, was du machen willst. Lass dir nichts aufreden.“ Dabei kommt er auf einen Mitschüler zu sprechen. Er nennt ihn Sven – „ein Unruhestifter, Möchte-Gern-Cooler“, der früh raucht und kifft und ihn dazu auch verleiten will. „Dein Leben ist zu schade, von solchen Chaoten zerstört zu werden“ appelliert er an die Schüler.

Er schaffte es in seine Wunsch-Schule zu kommen, er hatte Respekt vor den Lehrern. „Sie sind am Ende des Schuljahres die Kings“. Er erzählt, wie sie als Schüler gemeinsam gelernt haben. „Teile dein Talent“, meint er und richtet den Appell an die Mädchen „Lasst euch nichts gefallen.“

Schwere Zeiten durchgemacht

Danach folgt ein ernster Teil, als der Comedian aus harten Zeiten und Wendepunkten in seinem Leben berichtet und es in der Festhalle ganz still wurde. Bei seinem kleinen Bruder wurde Krebs diagnostiziert. In dieser für die ganze Familie schweren Zeit suchte er einen Ausbildungsplatz, machte Praktika und bekam zahlreiche Absagen, ehe ein Abteilungsleiter sich für ihn aufgrund seines Engagements beim Praktikum einsetzte.

Er bekam den Ausbildungsplatz im Möbelhaus Jäger. „Seid aktiv, gebt nicht auf, kämpft – jetzt erst recht“, ist Citirs Botschaft. Das galt auch für seinen Bruder. „Er hat das Unmögliche möglich gemacht, die Krankheit nach drei Jahren besiegt, ist heute 39 Jahre alt und technischer Zeichner.“

Vier zentrale Botschaften

„Heute habe ich meinen Traum erfüllt – trotz Hauptschule“, sagt er, nachdem er seit 2009 als Comedian auftritt und damit wieder zum Humor zurück kommen konnte, nachdem er seine schönste Zeit, die Ausbildung, ein paar Jahre hinter sich hatte. Den Schülern gibt er deshalb vier Botschaften mit auf den Weg, die ihn mit tosendem Applaus und Autogrammwünschen verabschieden, während Schulleiter Engel meint:“ Ihr könnt viel für euer Leben mitnehmen.“ Die Botschaften: 1.Niemals aufgeben 2. Du brauchst Ziele – schau, wo deine Talente sind 3. eine abgeschlossene Berufsausbildung – Talente, die entdeckt werden müssen 4. Ich habe dem wunderschönen deutschen Land viel zu verdanken, ich bin dankbar, hier geboren und aufgewachsen  zu sein, ich bin ein Paradebeispiel für erfolgreiche Integration.

Tiefgründige Gespräche in den Workshops

Im anschließenden Workshop der Klassen 9 b und 9 d fragte Citir zunächst die Schüler nach ihren Eindrücken, ob sie die Veranstaltung so erwartet haben, ob sie Angst hatten enttäuscht zu werden und was hängen geblieben sei. Sie fanden seine Ausführungen sehr spannend und dass er von Anfang an ihre Aufmerksamkeit geweckt habe. Hängen geblieben sei: Man soll niemals aufgeben. Wenn man aufgäbe, habe man schon verloren.

Dabei kam die Sprache auch wieder auf seinen Bruder, dessen Schicksal die Schüler sehr berührt hatte. Schülerin Maren erzählt einen Fall aus ihrer Familie. Eine Lehrerin meinte, Citir solle diese Passage aus seinem Programm streichen, weil Schüler solche Verluste selbst erleben und einige auch aus Betroffenheit mit Tränen den Saal verlassen hätten. Diese Meinung teilten aber  nur wenige Schüler. Der Comedian betonte, dass seine klare Botschaft sei, wie man mit solchen Situationen umgehe – niemals aufgeben. Arlind fragte in die Runde, was gewesen wäre, wenn der Bruder es nicht geschafft hätte. Worauf Sila meinte: „Man kann den Bruder doch als Vorbild nehmen.“

Im weiteren Verlauf der regen Diskussion ging es auch um das Sozialverhalten von „Sven“ gegenüber Lehrern und Schülern. Citir: „Gehe auf die Lehrer zu, wenn du Fehler gemacht hast, suche das Gespräch, springe über deinen Schatten.“

Die Schüler nannten mehrere Beispiele eines „Sven“.  Citir:“ Deine Freunde haben größere Macht über dich als deine Familie und ziehen dich mit. Wenn du merkst, dass das nicht gut läuft, dann weg, weg. Du entscheidest, mit wem du zusammen sein willst – in der Schule und im Verein.“ Und er erzählt zum Schluss noch vom Mobbing, das er wegen seiner damaligen Kleidung erleiden musste. (lumi)

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